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Für sich werben: Zeit und Geld


Instagram führte vor einigen Wochen die Möglichkeit ein, dass User für ihre Bilder werben können. Das funktioniert ganz einfach, indem man über Facebook eine entsprechende Werbeanzeige bucht. Ich habe bislang vielleicht ein- oder zweimal eine solche Werbung angezeigt bekommen. Ende dieser Woche schrieb Pete Halvorsen, ein Leica-Fotograf aus den USA, er beabsichtige eine Bildserie zu bewerben, von der er Ausdrucke verkaufen wolle. Er stellte dieses Vorhaben auch zur Diskussion: Die Mitglieder einer Facebookgruppe forderte er auf, ihre Meinung zu diesem Schritt zu sagen. Die Reaktionen waren sehr positiv. Das gezeigte Beispielbild sei sehr gut und er als Fotograf müsse schließlich an das Verkaufen der Bilder denken. Ein Fotograf merkte an, dass er den Schritt nachvollziehen könne. Allerdings entstehe dadurch eine Zweiklassengesellschaft: Diejenigen, die es sich leisten können, können für sich werben. Diejenigen, die es sich nicht leisten können, können eben nicht für sich werben.

Ganz neu ist das Problem nicht, denn auch schon früher konnte man auf Instagram für sich werben – durch Likes und Kommentare. Ich like dich, und im Gegenzug likest du mich hoffentlich auch. Ich schenke dir Aufmerksamkeit, du schenkst mir Aufmerksamkeit. Einige stellten die Regel auf, dass fünf Likes und drei Kommentare einen Follower ergeben. So schematisch und instrumentell musste man das vielleicht nicht betreiben. Klar ist aber, dass man für dieses Selbstmarketing Zeit braucht. Wer Zeit investiert, kann es zu etwas bringen.

Eine neue Stufe erreichte Instagram, als sehr viele Nutzer anfingen, Likes und Follower zu kaufen, weil sie eben nicht so viel Zeit aufbringen konnten oder wollten. Dabei sind nicht alle angebotenen Varianten schlicht kaufbasiert, sondern setzen die oben genannte Regel um: Wenn du – über spezielle Apps – zehn Bilder likest, kannst du das Guthaben, das du dafür erhältst, im nächsten Schritt einsetzen, damit eines deiner Fotos fünf Likes erhält. Es ist das Prinzip, dass auch hinter Kettenbriefen steckt.

Angesichts der Praktiken mancher User ist es nicht verwunderlich, dass Instagram selbst etwas von diesem Kuchen abhaben möchte. Frei nach dem Motto: Wenn Instagrammer bereit sind, für ihre Sichtbarkeit Geld zu bezahlen, dann machen wir es möglich, mithilfe unserer App bzw. mithilfe von Facebook für einen Account zu werben. Dieses Werben wird dann auch als solches gekennzeichnet und ist insofern transparent. Das würde ich als großen Vorteil dieses Angebots sehen. Zugleich bleibt das Problem, dass nicht alle User es sich leisten können. Aber wer sagt denn, dass Instagram ein Medium ist, bei dem alle die gleichen Chancen haben?

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