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Bildmontage und Bildbearbeitung


Nach meinem letzten Blogpost, in dem ich verschiedene Sichtweisen auf ein manipuliertes Foto unterschied, baten mich einige Leser, doch noch einmal genauer meine Meinung zu formulieren. Ich schrieb, dass es unterschiedliche Positionen der Bewertung gibt: Eine Position lehnt eine Bearbeitung grundsätzlich ab, während die Gegenposition argumentiert, es gebe kein Foto ohne Bearbeitung. Zwischen diesen Positionen befinden sich all jene, die sagen, ein Eingriff in die Bildaussage muss zumindest kenntlich gemacht werden. Schließlich argumentiert eine vierte Position, dass derjenige, der ein solches Foto mit einem Preis auszeichnet, einen Fehler gemacht hat. Dieses Argument ist wichtig, weil es nicht, wie die anderen Positionen, die Verantwortlichkeit (allein) beim Fotoproduzenten verortet, sondern – vereinfacht gesagt – die Verantwortung beim Rezipienten sieht: Derjenige, der ein – mehr oder minder offensichtlich – manipuliertes Foto als sehr gut bewertet, mache einen Fehler. Dann ist es letztlich auch egal, ob es die Jury eines Kameraherstellers oder die Masse an Followern auf Instagram ist, die ein Bild gut findet – der Druck zur Kreativität geht von der Rezeptionsseite aus. Wenn die Rezipienten nur „unbearbeitete“ Foto gut finden würden, dann würde niemand mehr Fotos bearbeiten und etwa Flugzeuge in ein Bild montieren.

Wenn es um Instagram und die Manipulation von Fotos geht, ist diese Position durchaus von Bedeutung. Denn so wie für viele die Verführung groß ist, erfolgreich durch gekaufte Likes und Follower zu werden oder zu bleiben, so ist die Verführung groß, das Spektakel, das ein Foto darstellt, durch Bearbeitung herzustellen. In dem konkreten Fall hat der Fotoautor den Fehler gemacht zu behaupten, das Flugzeug wäre tatsächlich im Moment der Aufnahme dort entlang geflogen. Ich meine, jeder sollte den Bearbeitungsprozess auf Nachfrage offenlegen. Fotografen tun das recht ungern, so wie auch Köche ihre Rezepte nicht gern verraten. Der Bearbeitungsprozess ist das Betriebsgeheimnis.

An diesen Beitrag angeheftet habe ich ein Foto, das ich selbst vor ein paar Tagen veröffentlicht habe. Es zeigt den Berliner Fernsehturm und ein Paar, das sich an den Händen hält. Fernsehturm und Paar spiegeln sich in einer Pfütze. Ich habe das Foto zunächst auf den Kopf gestellt. Nach einer grundlegenden Bearbeitung (Helligkeit) der RAW-Datei in Lightroom habe ich es dann mithilfe von SKRWT und VSCO angepasst. Das Foto ist auch auf Instagram zu sehen.

Die Sonne war allerdings kurz vor der Aufnahme hinter Wolken verschwunden. Im zweiten Bild habe ich mit der App LensDistortions (iPhone) eine Sonne eingefügt, um zu zeigen, dass ein solches Bild mehr hermacht. Wer sich auf der Webseite des Anbieters umschaut, wird sehr viele beeindruckende Montagen finden. Viele der gezeigten Gegenlichtaufnahmen würde ich mit einer echten Sonne nicht hinbekommen.

Ich verwende diese App nicht, weil ich dem Prinzip folge, so weit wie möglich vorzufindende Gegebenheiten zu nutzen. Wenn die Sonne nicht scheint, muss ich damit leben oder aber auf die Sonne warten. Entsprechend lehne ich es ab, in meine Fotos Objekte einzumontieren. Wer das machen möchte, kann es gern tun. Ich muss es aber nicht mögen. Für mich habe ich also eine Entscheidung getroffen. Wer eine andere Entscheidung trifft, tut es sicher mit gutem Grund.