• Joerg Nicht

Nebel


Meine Eltern hatten Besuch aus Norwegen. Das war 1991 oder 1992. Nach einigen Wochen bekamen sie einen Brief mit einem Foto, das ein Besucher aufgenommen hatte. Es zeigte eine etwas ramponierte Straße; ein Strommast stand leicht schief am Straßenrand; am Horizont waren ein paar Häuser zu sehen. Das Foto war in Schwarz-Weiß und ein wenig grobkörnig, es hätte fast von Anton Corbijn sein können. Nur Dave Gahan fehlte noch. Ich schaute das Foto immer und immer wieder an. Ich war fasziniert.

Die Straße führt zu meinem Elternhaus. Ich war sie so oft gefahren, sie war mir sehr vertraut. Doch hier sah sie anders aus, viel schöner. Durch das Foto habe ich die Straße neu gesehen und das Foto zeigte auch, dass diese Straße ein Fotomotiv sein kann. Obwohl ich schon einige Jahre fotografierte, kam mir diese Einsicht erst mit diesem Foto.

Die Straße war früher nur ein unbefestigter Weg, auf dem die Bauern hin- und herfuhren. Am Beginn des Weges standen zwei Häuschen und am Ende mein Elternhaus. Da der Weg von immer mehr Landwirtschaftsmaschinen befahren wurde, wurde er mehr schlecht als recht asphaltiert. Als dann ein paar weitere Häuser gebaut wurden, bekam er seine heutige, etwas langweilige Gestalt und einen Namen. In unserer Familie hieß der Weg immer nur „hinten runter“. So konnte die Straße dann aber nicht genannt werden.

Als am Morgen Nebel über dem Dorf liegt und die Bäume von Rauhreif bedeckt sind, ist die Straße wie verwandelt: Das Aspaltband schlängelt sich ins unendliche Weiß. So hatte ich diese Straße auch noch nicht gesehen.

#Nebel #Sachsen #Oberlausitz #Fotografie

(c) 2015-2020 by jn

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